Urlaubsentgelt für Minijobber – Berechnungsformel (Teil 2)

Urlaubsentgelt für Minijobber – Berechnungsformel (Teil 2)

Urlaubsentgelt Minijob

Bei der Berechnung des Urlaubsentgelts für Minijobber ist die Höhe des Urlaubsentgelts je Urlaubstag oft strittig. Denn gerade bei Minijobber variieren die Entgelte oft von Monat zu Monat, so dass sich hier eine genauere Berechnung in der Praxis als sinnvoll erwiesen hat.

Urlaubsentgelt für Minijobber

Grundlage für die Höhe des Urlaubsentgelts für Minijobber ist letztlich der durchschnittliche Tagesverdienst der letzten 13 Wochen (§ 11 BUrlG). Dabei ist bei Minijobbern die Besonderheit zu beachten, dass es sich um Teilzeitkräfte handelt, die nicht eine volle Arbeitswoche (5-Tage-Woche) arbeiten, sondern weniger Arbeitstage.

Somit fließt in die Berechnung letztlich der Verdienst der letzten drei Monate ein und die Arbeitstage in diesem Zeitraum.

Mehr zu den Entgeltbestandteilen für die Urlaubsentgeltberechnung im Teil 1

Urlaubsentgelt für Minijobber – Berechnungsformel

Um den Tagesverdienst für das Urlaubsentgelt zu berechnen, ist somit der Gesamtverdienst aus den letzten 13 Wochen (3 Abrechnungsmonaten) durch die Arbeitstage in dem Zeitraum zu teilen.


Berechnungsformel:

Gesamtentgelt : Arbeitstage = Tagesverdienst (Urlaubsentgelt je Tag)


Wenn der Tagesverdienst berechnet worden ist, ist dieser noch mit den Urlaubstagen des Minijobbers zu multiplizieren, um das Urlaubsentgelt für den kompletten Urlaubszeitraum zu berechnen.

Beispiel:

Ein Minijobber arbeitet 2 Tage je Woche. Im Juli nimmt er 3 Wochen Urlaub (6 Arbeitstage). In den Vormonaten hat er folgende Verdienste erzielt:

  • Juni: 440 Euro
  • Mai: 390 Euro
  • April: 392 Euro
  • Gesamtverdienst: 1.222 Euro

Er hat in den letzten 13 Wochen insgesamt 26 Tage gearbeitet, so dass diese 26 Tage in die Berechnung einfließen.

Gesamtentgelt : Arbeitstage = Tagesverdienst

1.222 Euro : 26 Tage = 47 Euro

Je Urlaubstag beträgt das Urlaubsentgelt für den Minijobber somit 47 Euro je Urlaubstag. Im Juli sind dem Minijobber somit 282. Euro Urlaubsentgelt zu zahlen (47 Euro x 6 Urlaubstage).

Urlaubsentgelt für Minijobber – Varianz

Dadurch dass das Urlaubsentgelt für jeden Urlaubszeitraum berechnet werden muss, kann das Urlaubsentgelt je Urlaub variieren. Dies kann bei Minijobbern und anderen Teilzeitkräften zu unterschiedlichen Höhen beim Urlaubsentgelt bei den Minijobbern führen.

 

Fortsetzung des Beispiels:

Ein Minijobber arbeitet 2 Tage je Woche. Im Dezember nimmt er 2 Wochen Urlaub (4 Arbeitstage). In den Vormonaten hat er folgende Verdienste erzielt:

  • November: 360 Euro
  • Oktober: 380 Euro
  • September: 390 Euro
  • Gesamtverdienst: 1.130 Euro

Er hat in den letzten 13 Wochen insgesamt 26 Tage gearbeitet, so dass diese 26 Tage in die Berechnung einfließen.

Gesamtentgelt : Arbeitstage = Tagesverdienst

1.130 Euro : 26 Tage = 43,46 Euro

Je Urlaubstag beträgt das Urlaubsentgelt für den Minijobber somit für diesen Urlaubszeitraum „nur“ 43,46 Euro je Urlaubstag. Im Dezember sind dem Minijobber somit 173,84 Euro Urlaubsentgelt zu zahlen (43,46 Euro x 4 Urlaubstage).

 

 

10 Antworten

  1. Ulrike Kohlmeier sagt:

    Hallo Marc,
    ich möchte mich heute einmal für Ihren immer spannenden Newsletter mit den vielen hilfreichen Tips bedanken,
    freundliche Grüße
    Ulrike Kohlmeier

  2. Marc Wehrstedt sagt:

    das klingt für mich nach der klassischen Urlaubsentgeltberechnung – scheint aus der Ferne somit in Ordnung zu sein. Um sicher zu gehen, sollten Sie aber den Fall ggf. einem Steuerberater oder Anwalt vorlegen. Die können dies dann mit weiteren Unterlagen (Arbeitsvertrag, Tarifvertrag) genau und verbindlich sagen.

  3. Blüte sagt:

    Danke für Ihre Antwort! Könnten Sie bitte meinen Kommentar vom 13.8.2019 von 14:25 Uhr löschen.
    Ich möchte nicht mehr dass er öffentlich sichtbar ist. Vielen Dank!

  4. az sagt:

    Hallo und guten Tag.

    Zu obigem Thema habe ich folgende Fragen: eine Minijob wird nur im Nachtdienst ausgeübt. Die Zuschläge für den Nachtdienst sind steuerfrei. Beim Urlaubsentgelt sind die Zuschläge zu berücksichtigen, der Stundenlohn erhöht sich entsprechend, die Grenze von 450Euro wird dadurch in jedem Monat überschritten, in dem Urlaub genommen wird.

    Ist das schädlich für die Einstufung als Minijobber? Beispiel: 25 Stunden mtl. á 18€ = 450 zuzüglich Nachtzuschlag 25% = 112,50€ (3 Dienste 8/8/9 Std.). Beim Urlaub ergibt sich dann ein Std.lohn von 22,50€ und die Grenze von 450 Euro ist z.B. in 6 Monaten überschritten, der anteilige Urlaub beträgt z.B. 6 Tage, in 6 Monaten wird je ein Urlaubstag genommen, in allen diesen 6 Monaten beträgt das Entgelt 8×22,50€ + 17×18€ = 486 Euro + Nachtzuschlag 76,50 (25% auf 306€). Insgesamt ist dann das Entgelt im Jahr 5.616 Euro und überschreitet die Grenzen.

    Geht das dann trotzdem? Handelt es sich hier trotzdem um einen Minijob?
    Vielen Dank für IHre Antwort im voraus.
    MfG
    AZ

    • Marc Wehrstedt sagt:

      Guten Tag,
      leider vertreten die Betriebsprüfer die Auffassung, dass Urlaube (und damit auch die Urlaubsentgelte) planbar sind. In dem geschilderten Fall (immer Nachtdienst) müsste also bei der Beurteilung des Arbeitnehmers bereits zum Beginn der Beschäftigung (Kalenderjahres) eingeplant werden, dass x Tage Urlaub und damit auch y Euro Urlaubsentgelt für die versicherungsrechtliche Beurteilung zu berücksichtigen sind. In diesem Fall wäre es leider kein Minijob (sondern ein Midijob). Daher bleibt in einem solchen Fall aus Sicherheitsgründen nur die Kürzung der Arbeitsstunden.
      Ich hoffe dies hilft Ihnen weiter

      Viele Grüße
      Marc Wehrstedt

  5. Luca S. sagt:

    Guten Tag Herr Wehrstedt,

    vorab ein großes Dankeschön für Ihren Blog und die hilfreichen Antworten! 🙂

    Zu meiner Frage zur Berechnung des Urlaubsentgeltes bei Minijobbern:
    Im vergangenen September habe ich meinen fast kompletten Jahresurlaub auf einmal nehmen können. Für die Berechnung werden die vergangenen 13 Wochen bzw. die vergangenen drei Monate herangezogen (Juni+Juli+August). In diesen Monaten habe ich durchschnittlich 1.732,99 € an 59 Tagen verdient. (Liege damit aber immer noch unter dem Jahresdurchschnitt, weil ich in den Monaten vor dem Juni deutlich weniger verdient habe). Demnach ergibt sich ein Tagesentgelt von 29,37 €. Für 21 Urlaubstage kommt ein Urlaubsentgelt von 616,77 € zustande. Ist das richtig? Oder bleibt es bei den 450,- €, die ausgezahlt werden?

    Danke vorab für Ihre Antwort, Luca S.

    • Marc Wehrstedt sagt:

      Guten Tag,
      bei schwankenden Entgelten, also monatlich unterschiedlichen Verdiensten, ist eigentlich das Urlaubsentgelt nach der Formel aus dem Bundesurlaubsgesetz zu bemessen. Es ist aber durchaus üblich, dass bei einem festen Monatsgehalt (bei Ihnen scheint dies bei 450 Euro) zu liegen, dieses „verstetigte Entgelt“ (Festlohn) einfach durchgängig auch während der Urlaubszeiten gezahlt wird.
      aus meiner Sicht wäre dies daher in Ihrem Fall soweit in Ordnung.

      Viele Grüße
      Marc Wehrstedt

      • Luca S. sagt:

        Guten Tag Herr Wehrstedt,

        vielen Dank für Ihre Antwort! Bitte erlauben Sie mir noch zu ergänzen, dass (aus meiner Sicht) es sich nicht um ein „verstetigtes Entgelt“ handelt. Ich werde mit dem Mindestlohn stundenweise bezahlt. xxxxxxx

        Frage gelöscht – Antwort per Mail

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